Augsburg, 02. März 2026 - Der typische Use-Case für Flottenbetreiber ist die Nutzung von Telematiksystemen (inklusive digitaler Fahrtenschreiber) für die gesetzlich vorgeschriebene Kontrolle von Lenk- und Ruhezeiten. Die Beschränkung auf lediglich diesen Use-Case lässt dabei aber eine riesige Menge an wertvoller Daten ungenutzt.
Moderne Systeme können praktisch jede Bewegung des Fahrzeugs aufzeichnen (z.B. Leerlauf an der Ampel oder Drehzahlen auf der Autobahn). Schafft man es, diese Informationen intelligent auszuwerten, lassen sich Einsparpotenziale identifizieren, die mit bloßem Auge nie erkennbar gewesen wären.
Teil eines Telematiksystems ist oftmals das Fahrerkarte Auslesen , und es geht hierbei längst um mehr als nur Compliance. So verraten die gleichen Daten, auf die auch Behörden bei Kontrollen Zugang bekommen, ganz genau wo Kraftstoff verschwendet wird. Hierfür benötigt es nur die richtige Software, um diese versteckten Kostenfresser sichtbar zu machen. In den nächsten Abschnitten untersuchen wir jene Bereiche genauer, die die größten ungenutzten Einsparpotenziale bieten.
PTO-Zeiten (Power Take-Off) und Arbeitsmodus-Analyse
Telematiksysteme zeichnen neben Fahr- und Lenkzeiten auch auf, wenn der Motor läuft, während das Fahrzeug steht und Nebenaggregate arbeiten. Der Fachbegriff hierfür ist PTO-Zeit oder Arbeitsmodus. Das ist besonders bei Hydraulikpumpen für Kräne, Kippvorrichtungen am Muldenkipper, Kühlaggregaten am Kühlauflieger oder Betonmischern relevant. Denn diese Geräte verbrauchen besonders viel Kraftstoff, ohne dass sie dabei großartige Distanzen zurücklegen.
Wie eingangs kurz erwähnt, fokussieren sich viele Flottenbetreiber bei der Auswertung eher auf den Verbrauch pro hundert Kilometer. Doch hierbei übersehen sie die Tatsache, dass manche Fahrzeuge stundenlang mit laufendem Motor an der Rampe stehen oder die Hydraulik läuft, obwohl sie gerade nicht gebraucht wird.
Durch moderne Telematiksysteme kann ein solches Zeitfenster isoliert dargestellt werden. Es kann genau aufzeigen, wann welcher Betriebsmodus aktiv war. Schulungsbedarfe oder technische Lösungen wie automatische Abschaltungen können dadurch schnell identifiziert werden.
Leerlaufzeiten außerhalb der Lenkzeit
Flottenmanagement-Software, die Fahrtenschreiber- und Fahrzeugdaten kombiniert, kann jede Minute registrieren, in der der Motor läuft. Hierzu gehören besonders jene Situationen, in denen der LKW steht, aber Diesel trotzdem verbraucht wird.
Der Verbrauch eines modernen LKWs im Leerlauf liegt bei zwei bis vier Litern Diesel pro Stunde. Das hört sich zwar erst einmal wenig an, kann sich aber schnell aufsummieren. So können jährlich Mehrkosten von über 3.000 Euro entstehen, wenn ein Fahrzeug täglich nur zwei Stunden unnötig im Leerlauf steht.
Fahrtenschreiber-Software kann diese Leerlaufphasen genau analysieren und von notwendigen Standzeiten unterscheiden. Manche Systeme erkennen sogar Muster, etwa wenn bestimmte Fahrer den Motor während der kompletten Mittagspause laufen lassen.
Fahrverhaltensanalyse durch Geschwindigkeits- und Drehzahlprofile
Die Drehzahl wird vom Fahrtenschreiber nicht standardmäßig für die Auswertung des Fahrverhaltens archiviert. Jedoch ist das mit einer geeigneten Telematiksoftware möglich, wenn diese Motordaten (EBS/CAN) abgreifen kann. Diese Systeme können sekündlich aufzeichnen, wie schnell ein LKW fährt und in welchem Drehzahlbereich der Motor arbeitet. Dadurch lässt sich viel über den jeweiligen Fahrstil herausfinden (z.B. häufiges starkes Beschleunigen und Bremsen oder konstantes Fahren mit Tempomat).
Das Einsparpotenzial beim Kraftstoffverbrauch ist dabei groß. So lassen sich bis zu 15 Prozent sparen, wenn man vorausschauend fährt, den Motor im optimalen Drehzahlbereich hält und Schwung mitnimmt. Besonders effektiv ist das bei Berg- und Talfahrten. Hier spart geschicktes Ausrollen erheblich. Telematiksysteme können diese Profile visualisieren und Unterschiede zwischen Fahrern sichtbar machen.
Routenspezifische Verbrauchsauswertung
Geeignete Flottenmanagement-Software kann GPS-Daten mit Verbrauchsinformationen kombinieren. Der Vorteil: Sie kann dadurch genau darstellen, welche Strecken besonders viel Kraftstoff schlucken. Erwartungsgemäß verbraucht eine Fahrt durch die Alpen mehr als dieselbe Distanz durchs Flachland. Erst wenn diese Faktoren berücksichtigt werden, lassen sich Fahrer fair vergleichen.
Für die Flottenoptimierung wird das besonders bei Standardrouten interessant. Denn wenn zehn verschiedene Fahrer dieselbe Strecke von Hamburg nach München bedienen, kann das System deutliche Unterschiede feststellen. Der eine schafft die Strecke mit 28 Litern pro hundert Kilometer und der andere braucht 33. Da die Topografie identisch ist, muss es mit hoher Wahrscheinlichkeit am Fahrstil oder der gewählten Route liegen.
Doch auch Tageszeiten spielen eine Rolle. Müssen Fahrer zur Rushhour durch Ballungsräume mit viel Stop-and-Go, schießt der Verbrauch im Vergleich zu Nachtfahrten deutlich nach oben. Auch hierbei können moderne Systeme helfen, um die Tourenplanung zu optimieren. So lohnt sich manchmal eine längere Strecke, da sie konstanter befahrbar ist und weniger kostet.
Fahrzeug- und Wartungskorrelationen
Telematiksysteme, die Fahrtenschreiber integrieren, können ebenfalls schleichende Verbrauchsanstiege erkennen. Letztere weisen oft auf technische Probleme hin. Verbraucht ein LKW beispielsweise plötzlich einen halben Liter mehr pro hundert Kilometer als zuvor, stimmt meist etwas nicht. Denn verschmutzte Luftfilter, falsch eingestellte Bremsen oder defekte Einspritzdüsen erhöhen den Verbrauch deutlich, bevor es zu anderen Symptomen kommt.
Weiteren Aufschluss gibt der Vergleich baugleicher Fahrzeuge unter ähnlichen Bedingungen. So sollten drei identische Sattelzugmaschinen bei vergleichbaren Routen ähnlich viel verbrauchen. Gibt es hier eine merkliche Abweichung, lohnt sich eine Inspektion oft noch vor dem regulären Wartungstermin.
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