E-Commerce

Digitalisierung: Handel ist kritischer als andere Branchen

31.03.2020 - Besonders der Handel bekommt die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren, fast alle Geschäfte mussten inzwischen schließen. Ein mögliches Instrument für Einzelhändler, die wirtschaftlichen Schäden abzumildern, könnte im Ausbau der eigenen Online-Präsenz liegen.

von Susan Rönisch

Sowohl für den Handel als auch für alle anderen untersuchten Branchen gilt: Umso größer die Betriebe, desto eher begreifen sie Digitalisierung als Chance. Das geht aus Deutschlands derzeit größter Umfrage zur "Digitalisierung im deutschen Mittelstand"   hervor. An der von Star Finanz   durchgeführten Befragung nahmen mehr als 11.000 Einzelunternehmer, mittelständische Firmen und Konzerne teil, darunter über 1.000 Betriebe, die sich der Handelsbranche zuordnen.

Der Dienstleistungs- sowie der Handelssektor, die in den letzten Jahren wohl die umfassendste Disruption erlebt haben, gehen als einzige der untersuchten Branchen zu über 50 Prozent von einer Veränderung ihres Geschäftsmodells aus. Und wiederum ist es der Handel, der mit 15 Prozent Zustimmung Veränderungen des Geschäftsmodells vergleichsweise als am notwendigsten betrachtet.

Großteil der Unternehmen beschäftigt sich mit Digitalisierung

Mehr als drei Viertel (76,8 Prozent) der befragten Unternehmen über alle Branchen hinweg beschäftigen sich mit dem Thema Digitalisierung. Die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen, sinkt jedoch mit abnehmender Unternehmensgröße. Von den 23,2 Prozent, die sich nicht damit auseinandersetzen, haben 59,5 Prozent der Betriebe weniger als zehn Mitarbeiter. In der Handelsbranche ist dieser Trend besonders ausgeprägt. Während 31,1 Prozent der Kleinstbetriebe (bis zu neun Mitarbeiter) sagen, dass sie sich nicht mit Digitalisierung beschäftigen, sinkt der Anteil der Digitalisierungsmuffel ab einer Unternehmensgröße von 50 Mitarbeitern auf nahezu null.

Diejenigen Unternehmen, die sich nicht mit Digitalisierung beschäftigen, führen an, dass sie darin keinen Mehrwert für sich sehen (47,6 Prozent). 44,8 Prozent der Betriebe nennen Zeitmangel als Grund, 15,1 Prozent Kostengründe.Aber nur die wenigsten bereiten sich aktiv auf Disruptionen des Geschäftsmodells vor.

Viele Handelsunternehmen sind zudem verunsichert, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf das eigene Geschäftsmodell hat. Mehr als jeder vierte Betrieb (27,5 Prozent) kann die Veränderungen nicht abschätzen. Und während rund die Hälfte der Unternehmen (50,4 Prozent) in den kommenden fünf Jahren durch den digitalen Wandel eine Transformation ihres Geschäftsmodells erwartet, wollen nur 15,1 Prozent der Betriebe im Handelssektor diese Veränderung aktiv in die Hände nehmen und ihr Geschäftsmodell anpassen.

Die Digitalisierung bestehender Prozesse (69,2 Prozent) sowie Online-Marketing (57,4 Prozent) sind für den Handel die häufigsten Gründe für die Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung. Die Analyse von Big Data ist immerhin schon für 17,7 Prozent der Unternehmen ein Thema, 3,9 Prozent setzen sich mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) auseinander.

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  • Bild: Michael Böhle
    Michael Böhle
    (Emrich Business Consulting)

    Handel neu vernetzt: Vom eigenen Server in die Cloud - mit Kasse, Shop und Dokumenten

    Viele Handelsunternehmen arbeiten noch mit einer Warenwirtschaft auf dem eigenen Server - häufig ergänzt durch getrennte Lösungen für Kasse, Onlineshop und Dokumentenablage. Diese gewachsene Struktur erschwert neue Verkaufskanäle, verursacht doppelte Eingaben und liefert wichtige Informationen oft zu spät. Der Vortrag zeigt, wie der Wechsel von einer On-Premises-Lösung in die Cloud genutzt werden kann, um den Handel grundlegend neu zu vernetzen. Anhand eines vollständigen Verkaufsprozesses erklären wir, wie Microsoft Dynamics 365 Business Central, Kassensystem, Shopsysteme und digitales Dokumentenmanagement zusammenspielen: vom Verkauf über Zahlung, Lagerbestand und Versand bis zur automatischen Ablage des Belegs. Die Teilnehmenden erfahren, wie sich der Umstieg vorbereiten lässt, welche Prozesse zuerst vereinheitlicht werden sollten und wie die Transformation schrittweise gelingt, ohne das laufende Geschäft auszubremsen.

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