Bild: Sebastian Halm/ChatGPT
KI-Skeptiker riefen schon die Beerdigung aus - allerdings etwas früh, denn es gab noch gar keinen Leichnam: "Google schafft die KI Overviews ab" geisterte es durch die sozialen Medien, nachdem der Konzern vor einer Woche miese Quartalszahlen vorgelegt hatte. Die Aktie der Google-Mutter Alphabet
brach am 29. Oktober um rund 13 Prozent ein. Das hatte gleich doppelt mit KI zu tun, da zum einen hohe KI-Investitionen den Cashflow drückten - wichtiger noch aber war die Sorge, dass die AI Overviews das profitable klassische Suchgeschäft zunehmend kannibalisieren. Obwohl ein direkter Zusammenhang auch jetzt noch nicht nachgewiesen ist, hagelte es direkt Tweets wie diesen
, in dem mal eben das Ende der AI Overviews, der Infotexte über den Ergebnissen, ausgerufen wurde.
Google heute mit Suchmaske (1), KI-Antwort/AI Overview (2), organischen Links (3) und den Quellen des Overviews (4). Eine "Work in progress", die bald schon anders aussehen kann.
Bild: Screenshot / Hightext
Die "Meldungen" über den KI-Exitus erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass Twitter
die Posts inzwischen mit einem Hinweis auf den eher fragwürdigen Faktengehalt auszeichnet. Aber aber aber: Ein Körnchen Wahrheit steckt selbst in dieser mehr auf Wunsch als auf Wirklichkeit gebauten Behauptung. Denn Googles (temporärer) Aktiencrash und die skeptischen Blicke, die sich auf sein Suchmaschinen-Layout richten, sind Vorboten einer Zeitenwende. Das Ende der klassischen Such-Ära, schon oft ausgerufen, ist nun wirklich angekommen.
Die gute Nachricht: Alle können mitspielen
Google beerdige die AI Overviews nicht, Google baut sie zum Eingang in den AI Mode um, ist sich Gründer und Geschäftsführer von
Sistrix
, Johannes Beus
, sicher.
"Schritt für Schritt sorgt Google dafür, dass Nutzer aus den AI Overviews im AI Mode landen. Dazu kommen Anzeigen im AI Mode, die Google jetzt international ausrollt." Der Weg sei damit klar:
"Der AI Mode ist das Zielbild, dem sich Google in den nächsten Jahren schrittweise annähern wird."
Bild: Screenshot X/Hightext
Die große Verschiebung sieht Beus deshalb nicht zwischen Google und einem Konkurrenten wie ChatGPT
, sondern innerhalb von Google: "Für Websites heißt das: Es reicht nicht mehr, oben zu ranken, man muss in der Antwort als Quelle auftauchen." Die gute Nachricht sei, dass das kein Spiel nur für die Großen ist. "In unseren Daten stammt die größte Gruppe der (in AI Overviews) zitierten Seiten von Markenwebsites selbst, und innerhalb einer Domain hängt es messbar an der einzelnen Seite, ob sie zitiert wird."
Vor allem zwei Prinzipien hätten sich bei einer Sistrix-Auswertung der AI-Zitierfähigkeit von knapp 100.000 Seiten
gezeigt:
- Struktur für die Maschine, Vertrauen für den Menschen: Seiten mit Inhaltsverzeichnis werden 1,7-mal so häufig zitiert, mit Article-Schema 1,6-mal, mit Autorenbox und Foto 1,4-mal. "Wer viele dieser Merkmale kombiniert, wird mehr als doppelt so oft zitiert. Das meiste davon stellt man einmal im Template ein"
Sparen könne man sich dagegen den Aufwand für llms.txt,
"dafür finden wir keinen messbaren Effekt." Auch Texte auf eine bestimmte Wortzahl zu trimmen, bringt nichts. Online-Shops sollten indes nicht ihre Produktseiten für AI optimieren, sondern einen Ratgeberbereich aufbauen.
Google geht's gut. Hat aber erstmals Konkurrenz.
"Der Aktienkurs ist runter, weil KI schwierig zu monetarisieren ist, den AI Overview wird Google aber nicht abschaffen.", sagt Moritz Klussmann
aus der Geschäftsführung der
Internetwarriors
.
"Natürlich hat Google da ein Problem, wenn die Klicks auf bezahlte Links wegfallen. Nun experimentieren sie also gerade damit, wie sie Werbung in KI am besten platzieren - früher eher unter, jetzt tendenziell eher im Text." Seine Kunden treibe das natürlich um, allerdings gebe es durchaus eine positive Erkenntnis:
"Man kriegt weniger Klicks, aber was man erhält, sind qualitativ hochwertigere Besucher mit hoher Kaufbereitschaft." Die einem Seitenbesuch vorangegangene Recherche ändere sich, sagt Klussmann.
"Man muss in KI-Übersichten a) erwähnt und b) positiv erwähnt werden."
Das sei die Ausgangslage: Kein Ende der AI Overviews, sondern eine Neusortierung der Suche. Irgendwo auch eine positive Sache, denkt Klussmann:
"Erstmals hat Google ernste Konkurrenz!"
Den Wert vom Auftauchen in KI kann SEO Severin Lucks
nur unterschreiben:
"Hier unterscheidet man zwischen Auftauchen als Quelle (bringt kaum Klicks, steigert aber die Sichtbarkeit und Markenbekanntheit) und empfohlen zu werden - das bringt extrem viel: Meist wesentlich besser informierte Leads und daher häufig und auch wesentlich höhere Conversion-Raten). Ich bekomme bei uns fast nur noch Anfragen von Leuten, denen ich in ChatGPT empfohlen wurde." Was den Umbau des Suchmarktes angeht, kann er sich Google sogar
"langfristig als Gewinner" vorstellen. Aktien würde er aktuell aber erstmal nicht kaufen.