Insolvenz-Auswertung

Im dritten Quartal: Weniger Agenturinsolvenzen in Deutschland

Die Wirtschaftslage hellt auf, die Zahl der Agenturinsolvenzen geht zurück (Bild: Pixabay / Public Domain)
Die Wirtschaftslage hellt auf, die Zahl der Agenturinsolvenzen geht zurück

30.09.2026 - Die Zahl der Agenturinsolvenzen in Deutschland ist im dritten Quartal 2026 weiter gesunken und ist jetzt auf dem niedrigsten Stand seit März 2025. Das geht aus der aktuellen iBusiness-Auswertung des Insolvenzregisters hervor.

von Joachim Graf

Aktuell scheint bei den Agenturinsolvenzen das Schlimmste überstanden zu sein. Wenn man die gemeldeten Agenturinsolvenzen nach Quartalen auswertet, zeigt sich, dass die Zahl der Insolvenzen seit Winter 2025 von Quartal zu Quartal sinkt. Im Dezember des Vorjahres hatte die Agentur-Insolvenzwelle mit 65 Insolvenzen einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Laut den Insolvenzbekanntmachungen des offiziellen Justizportals des Bundes und der Länder   hatte die Zahl der Insolvenzen von Agenturen in Deutschland im Jahr 2025 einen Höhepunkt   mit 198 Agenturen, die sich bei den für sie zuständigen Insolvenzgerichten insolvent gemeldet hatten.

Im Jahr 2025 waren es also doppelt so viele Agenturen, die den Weg zum Insolvenzgericht antreten mussten, wie 2024. Damals zählte das Insolvenzregister im gesamten Jahr 89 Agenturpleiten.



158 Agenturinsolvenzen zählten wir in den ersten neun Monaten dieses Jahr. Damit zählt das Jahr 2026 mit 158 Agenturinsolvenzen bereits jetzt die zweithöchste Zahl und dürfte den Wert für das Vorjahr 2025 zu Jahresende wohl erreichen oder überschreiten.

Agenturinsolvenzen

Quartal Anzahl
Q4-25 65
Q1-26 63
Q2-26 50
Q3-26 45

Allerdings war es im vergangenen Jahr 2025 vor allem das vierte Quartal, in dem viele Agenturen den Weg zum Insolvenzgericht antreten müssen. In den ersten neun Monaten des aktuellen Jahres 2026 sind es immer noch viele - allerdings mit abnehmender Tendenz.

"Standardproduktion verliert zuerst ihren Preis   ", hat meine Kollegin Susan Rönisch in ihrer Analyse der Verschiebung bei den Agenturhonoraren geschrieben. Recherche werde schneller, Variantenproduktion billiger, Standardcode einfacher verfügbar, so das Ergebnis der Agenturbefragung von dieser Woche. Gleichzeitig bauten Kundenunternehmen selbst KI-Kompetenz auf. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie weniger für Agenturen ausgeben wollen. Vielmehr verschiebe sich, wofür sie bezahlen. Wer diese Umstellung als Agentur nicht mitmacht - der fällt schnell in die Insolvenzspirale.

Welche Honorarprobleme haben Agenturen aktuell?

Digitalagenturgipfel.de 2026

Über Auswege aus der Agenturkrise und über Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle von Agenturen geht es auch bei unserem jährlichen Digitalagenturgipfel. Auf der virtuellen Veranstaltung diskutieren Fachleute und Agentur-CEOs über die Zukunft der Digitalagentur. Der Webcast des Vorjahres-Digitalagenturgipfels ist online abrufbar   .

Die zentrale Veränderung lässt sich knapp zusammenfassen: Nicht Agenturleistung verliert grundsätzlich an Wert. Aufwand verliert seinen Wert als Preisargument.

  1. Standardproduktion verliert zuerst ihren Preis: Besonders unter Druck geraten Leistungen, deren Ergebnis sich weitgehend standardisieren lässt: einfache Texte und Bildvarianten, Adaptionen, Banner, Standardlayouts, Übersetzungen, einfache Landingpages, Routineanalysen, Recherche oder repetitive Coding-Aufgaben. Standardproduktion wird also weiter benötigt. Aber sie verliert dort an eigenständigem Wert, wo ihr Preis bislang wesentlich aus dem personellen Aufwand abgeleitet wurde.

  2. Gleichzeitig wird der Kunde selbst zum Produzenten: Der Druck kommt nicht nur aus effizienteren Agenturprozessen. Unternehmen übernehmen mehr Leistungen selbst. Das zeigt auch das aktuelle GWA-KI-Papiers   . Neben 78 Führungskräften aus GWA-Agenturen wurden 170 Führungskräfte mit Budget- und Entscheidungsverantwortung auf Unternehmensseite befragt. Ergebnis: Was Unternehmen mit verfügbaren Werkzeugen ausreichend gut selbst erledigen können, müssen sie nicht länger extern einkaufen. Gerade Routineproduktion steht damit doppelt unter Druck: Sie lässt sich automatisieren und insourcen. Für Agenturen steigt dadurch die Messlatte. Wer dem Kunden vor allem Zugriff auf dieselben Werkzeuge und dieselbe Produktionskapazität verkauft, die dieser zunehmend selbst aufbauen kann, verliert Differenzierung. Bezahlt wird stärker dort, wo die interne Organisation an Grenzen stößt.

    Ich hatte schon im Juli 2025 mal hochgerechnet, wie viel Agenturumsatz 2026 die KI fressen wird   . Ergebnis: 80 Prozent des gesamten Agenturumsatzes sind potenziell bedroht. Der Dornenfaktor der KI-Chancen aktuell? Der durchschnittliche Umsatzeinbruch durch KI beträgt 33,6 Prozent. Das muss man strategisch erst einmal auffangen.

  3. Was die KI frisst, muss die Beratung bringen: Zu den wichtigsten künftigen Agenturmehrwerten zählen den befragten Kundenentscheidungstragenden zufolge kreative Leitideen und Markenführung mit 44,7 Prozent, Datenanalyse und Insights mit 42,9 Prozent sowie strategische Beratung und technologische KI-Kompetenz mit jeweils 40 Prozent. Schnelle und skalierbare Produktion liegt mit 22,9 Prozent deutlich dahinter.

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Der Maßstab des Agenturgeschäfts verschiebt sich Richtung Ergebnis

KI erledigt auf Unternehmensseite mittlerweile einiges, was früher eine Agentur erledigt hat. Und die KI beantwortet heute viele Fragen, die früher die Agentur beantwortet hat. Beides macht sie oft ausreichend gut. Für vieles, das Agenturen früher in Rechnung gestellt haben, genügt heute die KI. Damit verändert sich auch die Sprache, mit der Agenturen ihren Wert begründen. Anzahl der Assets, Projektstunden oder Teamgröße beschreiben zunächst nur Output. Aus Kundensicht wichtiger wird, was daraus entsteht: mehr Umsatz, bessere Conversion, geringere Kosten, höhere Qualität, kürzere Markteinführung oder weniger Risiko.

Der Agenturgeschäftsmodell-Ansatz, dank KI zur Werkbankagentur auf Speed zu werden, wird vermutlich spätestens im kommenden Jahr endgültig der Vergangenheit angehören. Denn dann werden die großen KI-Anbieter ihre Geld verbrennenden, und auf Marktanteile setzenden Niedrigpreise für Tokens deutlich anheben. Nur so können sie irgendwie Geld verdienen. Agenturen laufen spätestens dann Gefahr, zwischen den beiden Mahlsteinen "weniger Projektumsätze" und "steigende KI-Kosten" zerrieben zu werden.

Interessant ist übrigens ein weiterer Befund des GWA-Whitepapers: Nur 14,1 Prozent der Unternehmen erwarten ausdrücklich ein günstigeres Angebot ihrer Agentur. Häufiger genannt werden höhere Effizienz, bessere strategische Beratung, neue KI-basierte Services, schnellere Kampagnenentwicklung und höhere kreative Qualität. Wer seinen Wert als Agentur auch in Zukunft gegenüber den Einkaufsverantwortlichen belegen will, muss also dort ansetzen.

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