95 Prozent der Pilotprojekte mit generativer Künstlicher Intelligenz liefern keinen messbaren Ertrag, berichtet der Engineering- und KI-Dienstleister HTEC
unter Verweis auf eine Studie des Massachusetts Institute of Technology
. Eine eigene Befragung von 1.529 Führungskräften zeige zudem, dass erst 45 Prozent KI funktionsübergreifend im Unternehmen verankert haben.
Technische Reife allein reicht demnach nicht aus. Entscheidend sei, wie konsequent Unternehmen KI mit bestehenden Prozessen, Daten und Verantwortlichkeiten verbinden. Nur etwa ein Viertel der Unternehmen könne seine KI-Lösungen über den Pilotstatus hinaus skalieren.
Fehlender Kontext bremst die Skalierung
Ein zentrales Problem liegt laut HTEC darin, dass KI nur auf dokumentierte Daten, Regeln und Abläufe zugreifen kann. Geschäftskritisches Wissen steckt jedoch häufig in den Köpfen von MitarbeiterInnen, in informellen Routinen oder nicht dokumentierten Ausnahmefällen. Fehlt dieser Kontext, können KI-Systeme zwar plausible, aber fachlich unpassende Ergebnisse liefern.
Auch zusätzliche Daten lösen das Problem nicht automatisch. Ohne ein klares Verständnis der Geschäftsprozesse können größere Datenmengen falsche Annahmen lediglich verfestigen. 43 Prozent der befragten Führungskräfte nennen die Integration in bestehende Systeme als zentrale Hürde.
Agentische KI erhöht das Risiko
Besonders kritisch ist die überzeugende Darstellung fehlerhafter Ergebnisse. Sprachmodelle vermitteln durch flüssige Texte und professionelle Visualisierungen schnell den Eindruck fachlicher Kompetenz. Mit agentischer KI, die nicht nur Antworten erstellt, sondern selbstständig Handlungen ausführt, steigt das Risiko falscher Entscheidungen.
Gleichzeitig wächst die Bedeutung menschlicher Expertise. Fachleute müssen Ergebnisse einordnen, Prioritäten setzen und Verantwortung übernehmen. Extern entwickelte oder gemeinsam mit Partnern umgesetzte KI-Lösungen skalieren laut HTEC etwa doppelt so häufig erfolgreich wie reine Eigenentwicklungen.
"Adoption ist kein Wettbewerbsvorteil mehr", sagt Sebastian Seutter
, Global Managing Partner Continental Europe bei HTEC. Entscheidend sei, ob Unternehmen ihre Prozesse verstehen und den notwendigen Kontext für die Technologie bereitstellen.
Für Digitalagenturen und Digitaldienstleister entstehen daraus Chancen in der Prozessanalyse, Wissensmodellierung, Systemintegration und Governance. Gefragt sind weniger isolierte KI-Piloten als Lösungen, die dauerhaft in operative Abläufe eingebettet werden.