VerbraucherInnen vertrauen bei Kaufentscheidungen Antworten von KI-Systemen stärker als InfluencerInnen und klassischer Werbung. Laut einer von der Kommunikationsberatung Ketchum
in Auftrag gegeben repräsentativen Studie, geben 18 Prozent der Befragten an, KI-Antworten bei Kaufentscheidungen eher oder absolut zu vertrauen. Auf Social-Media-Influencer entfallen elf Prozent, auf klassische Werbung 13 Prozent.
Für Marken verändert sich damit ein zentraler Zugangspunkt zur Zielgruppe. Sichtbarkeit entsteht laut Studie künftig weniger über Anzeigen oder bezahlte Kooperationen, sondern über belastbare Informationen, die generative Systeme in Antworten einbauen. Besonders relevant ist das, weil KI dort an Einfluss gewinnt, wo Unternehmen bislang mit Paid Media, Suchmaschinenoptimierung oder Influencer-Marketing Wirkung erzielt haben.
KI punktet vor allem in kaufkräftigen Zielgruppen
Noch genießen Freunde und Familie mit 76 Prozent die höchsten Vertrauenswerte. Bewertungsportale kommen auf 48 Prozent, Suchmaschinen auf 47 Prozent. Trotzdem wächst die Bedeutung von KI genau in den Phasen, in denen Produkte verglichen, Alternativen gesucht und Preis-Leistungs-Verhältnisse bewertet werden.
Unter den Menschen, die KI bereits nutzen, greifen 46 Prozent auch bei Kaufentscheidungen auf Systeme wie
ChatGPT
oder
Gemini
zurück. Besonders stark ist die Nutzung laut Studie bei Haushalten mit mehr als 4.000 Euro Nettoeinkommen, bei AkademikerInnen und in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen. In dieser Altersgruppe verlassen sich 64 Prozent der KI-Nutzenden auch bei konkreten Kaufentscheidungen auf die Technologie.
Transparenz und Datenqualität werden zum Marketing-Thema
Die Studie zeigt zudem, welche Erwartungen Konsumenten an KI-gestützte Empfehlungen haben. 52 Prozent der KI-Nutzenden wollen nachvollziehbare Begründungen, 47 Prozent erwarten vergleichbare Alternativen. Gleichzeitig sorgen sich 53 Prozent aller Befragten vor manipulierten Antworten. Werbung in KI-Antworten stößt auf geringe Akzeptanz: 53 Prozent empfinden sie als störend.
Für Unternehmen folgt daraus vor allem ein operativer Auftrag: 72 Prozent derjenigen, die KI für Kaufentscheidungen einsetzen, wünschen sich korrekt, vollständig und transparent aufbereitete Unternehmensinformationen für diese Systeme. Ketchum leitet daraus ab, dass Marken ihre Informationsarchitektur modernisieren, maschinenlesbare Produktdaten pflegen und laufend prüfen sollten, wie KI-Systeme ihre Angebote darstellen.
""Wir erleben den wahrscheinlich größten Paradigmenwechsel seit Einführung der Suchmaschinen: Die Antwort verdrängt die Anzeige", sagt Matthias Wesselmann
, CEO von Ketchum Germany. Für Marketing und Kommunikation wird damit wichtiger, ob Marken in KI-Antworten korrekt und relevant erscheinen, als wie aufmerksamkeitsstark klassische Werbung ausfällt.