54 Prozent der Deutschen haben bereits Anwendungen mit künstlicher Intelligenz genutzt, bei Finanzthemen lehnen jedoch 70 Prozent deren Einsatz ab, zeigt die "Postbank Digitalstudie 2026" der Postbank
. Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der KI-NutzerInnen damit um sechs Prozentpunkte gestiegen, weitere 16 Prozent planen die Nutzung.
Drei Viertel der Befragten vertrauen bei Finanzfragen einer persönlichen Beratung stärker als einer KI. Ebenso viele halten die Technologie in diesem Bereich noch nicht für ausgereift oder äußern Datenschutzbedenken. Hinzu kommen Sorgen vor Manipulation und mangelnder Transparenz.
"Digitale Offenheit bedeutet also nicht automatisch finanzielles Vertrauen", sagt David Dommel
, Leiter Digitales Performance-Marketing der Postbank. Gerade bei finanziellen Entscheidungen erwarteten viele KundInnen weiterhin eine persönliche Ansprechperson, die Verantwortung übernimmt und individuelle Fragen beantworten kann.
Banking-App setzt sich als digitaler Zugang durch
Die Zurückhaltung gegenüber KI bedeutet allerdings keine generelle Skepsis gegenüber digitalen Finanzangeboten. Mehr als drei Viertel der Deutschen erledigen ihre Bankgeschäfte online. 43 Prozent nutzen dafür inzwischen eine Banking-App, gegenüber 30 Prozent im Jahr 2022. Das klassische Online-Portal kommt dagegen nur noch auf 34 Prozent, nach 45 Prozent vor vier Jahren.
Für Finanzdienstleister und ihre MarketingpartnerInnen zeigt sich damit eine klare Trennung: Digitale Kanäle sind etabliert, autonome oder beratende KI-Funktionen müssen sich das Vertrauen der NutzerInnen dagegen erst erarbeiten. Besonders relevant ist dabei die Alterssegmentierung. Fast jeder zweite unter 40-Jährige ist für KI bei Finanzthemen offen, jeder vierte KI-Nutzer unter 40 Jahren ist bei einer Geldanlage bereits einer KI-Empfehlung gefolgt.
Auch neue Kontaktformen treffen bei Jüngeren auf höhere Akzeptanz. 65 Prozent der 18- bis 39-Jährigen können sich Beratung per Chat oder Videokonferenz vorstellen, gegenüber 45 Prozent der älteren Befragten. 46 Prozent der unter 40-Jährigen würden zudem Überweisungsdaten per Sprachassistent eingeben.
Sicherheit wird zum Akzeptanzfaktor für KI
Gleichzeitig offenbart die Studie ein Risiko für Anbieter: 60 Prozent der KI-NutzerInnen überprüfen Informationen nur selten, während sich lediglich 36 Prozent zutrauen, Manipulationen durch KI zu erkennen. Für Banken wächst damit neben der technischen auch die kommunikative Aufgabe, Sicherheitsmechanismen und Grenzen von KI verständlich zu vermitteln.
Im etablierten Online- und App-Banking nutzen 55 Prozent eine Zwei-Faktor-Authentifizierung und 41 Prozent biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Trotzdem sorgt sich mehr als die Hälfte der Befragten um Daten- oder Identitätsdiebstahl.
Für die Einführung von KI-Funktionen im Finanzbereich dürfte damit weniger die grundsätzliche Technikakzeptanz entscheidend sein als die Frage, ob Anbieter Vertrauen, Kontrolle und Sicherheit nachvollziehbar vermitteln können.