Viele Neueinstiege

Das sind die größten inhabergeführten Digitalagenturen 2026

02.09.2026 - Viele neue Namen wirbeln das aktuelle Ranking der größten Inhaberagenturen durcheinander. Zudem ist das Bild der Branche uneinheitlich wie selten. Bei den Inhaberagenturen stehen zweistelliges Wachstum und starker Umsatzrückgang direkt nebeneinander.

von Susan Rönisch , Joachim Graf

Zahlreiche Neueinstiege kennzeichnen das diesjährige Ranking der umsatzstärksten inhabergeführten Digitalagenturen. Alleine in den Top Ten finden sich vier Agenturen, die im vergangenen Jahr nicht gelistet waren. So liegt der Gesamtumsatz der 102 gerankten inhabergeführten Agenturen im Jahr 2026 mit 682 Millionen Euro um 25 Prozent über dem des Vorjahres-Rankings, das 95 Agenturen gelistet hatte. Auch die Zahl der festangestellten Mitarbeitenden ist mit 6.083 Beschäftigten um 23 Prozent höher als im Vorjahr.

Im Schnitt setzt eine Inhaberagentur mit 58 Mitarbeitenden (Vorjahr 52) 6,6 Mio. Euro um (Vorjahr 5,7 Mio.), was den Pro-Kopf-Umsatz einer durchschnittlichen inhabergeführten Digitalagentur auf 113.610 Euro (Vorjahr 110.410 Euro) bringt. Damit liegt der Pro-Kopf-Umsatz rund zehn Prozent unter dem der Fullservice-Agenturen   , den wir für dieses Jahr mit 127.000 Euro errechnet haben. Vor allem die großen Agenturnetzwerke haben diesen Wert im Internetagentur-Ranking nach oben gedrückt. Inhabergeführte Digitalagenturen verdienen also schlechter als diese.

Inhaberagenturen geraten ins Hintertreffen

Durch Fusionen und Übernahmen entstandene Großagenturen und Agenturnetzwerke prägen zunehmend den Markt der deutschen Fullservice-Digitalagenturen - das zeigte zuletzt das umfassende Internetagentur-Ranking   vom Mai dieses Jahres. Inhabergeführte Agenturen geraten dabei leicht ins Hintertreffen - obwohl sie für viele Unternehmen unverzichtbare Partner sind. Um diese Player sichtbarer zu machen, veröffentlicht iBusiness seit 2022 dieses eigene Ranking speziell für inhabergeführte Fullservice-Digitalagenturen.

Inhaberagenturen nehmen eine besondere Rolle ein: Unabhängig von internationalen Netzwerken können sie ihre Leistungen flexibler an Kundenbedürfnisse ausrichten. Vor allem mittelständische Unternehmen schätzen die partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Damit bilden inhabergeführte Digitalagenturen eine wichtige Ergänzung zu den inzwischen dominanten digitalen Agenturnetzwerken.

Definition inhabergeführte Agentur

Eine Agentur gilt als inhabergeführt, wenn die Geschäftsanteile mehrheitlich (> 50 Prozent) in der Hand der operativen Geschäftsführung des Unternehmens liegen. Bemessungsgrundlage des Rankings ist der gemeldete Dienstleistungsumsatz, der im aktuellen Internetagentur-Ranking veröffentlicht wurde.

Zum Vergleich: Die 137 Top-Digitalagenturen im diesjährigen IAR meldeten 2,355 Milliarden Euro Honorarumsatz. Das heißt, die durchschnittliche inhabergeführte Digitalagentur setzt ein Drittel dessen um, was die durchschnittliche deutsche Fullservice-Internetagentur umsetzt (17,2 Millionen Euro Honorarumsatz). Inhaberagenturen sind deutlich kleiner - sie beschäftigen im Schnitt gut ein Drittel der Menschen (IAR-Schnitt: 140 Mitarbeitende) und erzielen pro Kopf auch weniger Umsatz (122.100 Euro bei den IAR-Agenturen).

Kein Wunder, denn das IAR wird seit Jahren von deutlich größeren Netzwerkagenturen angeführt. Unter den 10 umsatzstärksten Dienstleistern finden sich im Internetagentur-Ranking (IAR) überhaupt keine Inhaberagenturen. Mit Appsfactory (IAR-Platz 11), FischerAppelt (Platz 13), Pilot (Platz 16), Wiethe (Platz 17) und DotSource (Platz 18) sind es in den Top20 des IAR lediglich fünf inhabergeführte Agenturen.

Die zehn umsatzstärksten inhabergeführten Digitalagenturen 2026

RangAgenturHonorarumsatz in Mio. Euro
1 (1)Appsfactory   49,147
2 (-)fischerAppelt   46,7
3 (-)pilot Agenturengruppe   39,7
4 (3)Wiethe Content GmbH   37,0
5 (2)dotSource   36,7
6 (5)DocCheck agency AG   24,0
7 (4)denkwerk GmbH   22,0
8 (-)web-netz GmbH   17,4
9 (-)Laudert   17,3
10 (6)neuland Büro für Informatik GmbH   16,7


Vergleicht man klassische Fullservice-Agenturen und inhabergeführte Agenturen, dann zeigt sich bei der Entwicklung von Umsatz und Mitarbeitendenzahl ein uneinheitliches Bild. Wir haben ausgewertet, wie diejenigen Inhaberagenturen sich entwickelt haben, die sowohl im aktuellen Inhaberranking als auch in dem Inhaberranking des Vorjahrs auftauchen. Das entspricht 66 Agenturen, die wir mit ihren gemeldeten Vorjahreszahlen vergleichen können.

Zwei Zahlen stehen hier nebeneinander:
  • Der Gesamtumsatz dieser 66 Inhaberagenturen wuchs um 1,0 Prozent, die Zahl der Mitarbeitenden ging um 0,3 Prozent zurück. Die Entwicklung ist also genau anders herum als beim Internetagentur-Ranking, wo der Umsatz zurückging und die Mitarbeitendenzahl leicht wuchs.
  • Der Durchschnittsumsatz sank um 2,1 Prozent, die Mitarbeitendenzahl ging gar durchschnittlich um 3,0 Prozent zurück.

Die größeren Inhaberagenturen fangen die durchschnittlich schlechteren Zahlen der kleineren Inhaberagenturen auf, weswegen der Gesamtumsatz besser aussieht als der Durchschnittsumsatz. Zu erklären sind diese Zahlen dadurch, dass große Inhaberagenturen im Vergleich zum Vorjahr stark gewachsen sind, während viele, vor allem kleinere Inhaberagenturen schrumpfen. Rund die Hälfte der Inhaberagenturen wuchs - zum Teil um ein Viertel und mehr -, die andere Hälfte stagnierte oder musste Umsatz abgeben. Mehr als ein Viertel der Inhaberagenturen verlor sogar einen zweistelligen Prozentwert.

Personalentwicklung: Auch beim Personal ging es nach unten: Mehr als die Hälfte der Inhaberagenturen hat im vergangenen Jahr Stellen abgebaut. Nur bei einem Drittel wuchs die Zahl der Mitarbeitenden.

Das Internetagentur-Ranking und das Ranking der Inhaberagenturen zeigen - vor allem im direkten Vergleich - ein zunehmend gespaltenes Bild der Digitalagentur-Landschaft in Deutschland. In beiden Rankings konnten die meisten großen Agenturen ihre Umsätze steigern, bauten aber beim Personal ab. Rund drei Prozent ging es bei der Zahl der Beschäftigten sowohl im Internetagentur-Ranking als auch im Ranking der inhabergeführten Digitalagenturen nach unten. Dass der Agentur-Arbeitsmarkt sich gedreht hat, das kann jeder sehen, der seinen Linkedin-Livestream   regelmässig durchforstet: Statt "ich suche dringend Mitarbeitende" findet sich immer öfter: "Ich suche eine neue Herausforderung".

Im direkten Vergleich zwischen IAR-Agenturen und Inhaberagenturen zeigt sich, dass die inhabergeführten Agenturen nicht nur beim Pro-Kopf-Umsatz hinterherhinken - sondern auch beim Umsatz. Wuchs im IAR der Gesamtumsatz (wenn auch nur leicht) um durchschnittlich 0,9 Prozent, so ging er bei den Inhaberagenturen im Schnitt um 2,1 Prozent zurück.

Größte Agenturen: Umsatzstärkste inhabergeführte Digitalagentur ist in diesem Jahr wie auch schon im Vorjahr Appsfactory. Vier Neueinsteiger wirbeln die Top Ten durcheinander. Wiethe Content und Dotsource tauschten die Reihenfolge, auch Doccheck schiebt sich an Denkwerk vorbei. Neuland hielt sich gerade noch in den Top Ten.

Umsatzwachstum:: Über zwanzig Prozent Umsatzwachstum konnten Friendventure   (+20%), Digital Masters GmbH   (+22%), Ditegra   (+23%) und Abrio   (+28%) melden. Alle vier Inhaber-Wachstumssieger bauten parallel auch ihren Mitarbeitendenstamm aus - mit Ausnahme von Digital Masters allerdings weniger stark, als der Umsatz wuchs.

Inhaber-Ranking: Die Konzentration zieht weiter an

Die jährliche Analyse des IAR im Frühjahr verdeutlicht regelmäßig, dass der Hauptteil des Digitalagenturumsatzes aus dem Ranking von wenigen Großagenturen eingestrichen wird: Allein die Top-Ten-Agenturen des Internetagentur-Rankings machen über die Hälfte (57 Prozent; Vorjahr: 56 Prozent) des gesamten dort gelisteten Honorarumsatzes aus.

Umsatzkonzentration: Diese starke Konzentration gab es im Ranking der inhabergeführten Agenturen lange Jahre nicht. Bisher konnte man immer sehen, dass sich Inhaberagenturen deutlich weniger voneinander unterscheiden, als das bei den Digitalagenturen insgesamt der Fall ist. Ihre Umsatzanteile lagen stets enger beieinander, weil es keine Riesenagenturen gibt, die das Ranking auseinanderziehen. In diesem Jahr zeigt sich jedoch, wie schon in den Vorjahren, dass sich der Konzentrationsprozess verstetigt. Immerhin erwirtschaften die Top-Ten-Inhaberagenturen allein aktuell 45 Prozent und damit fast die Hälfte des Rankingumsatzes. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 44 Prozent, im Jahr 2024 bei 38 Prozent und 2023 bei 37 Prozent. Vier Mal in Folge wächst der Umsatzanteil der Top Ten am Inhaber-Gesamtumsatz.



Subrankings gibt es für Werbung, Plattformen, E-Commerce, Social Media und Transformation (Bild: Hightext Verlag)
Subrankings gibt es für Werbung, Plattformen, E-Commerce, Social Media und Transformation

Ab Platz 11 verteilt sich der Gesamtumsatz allerdings nach wie vor deutlich gleichmäßiger, als das beim größeren Internetagentur-Ranking der Fall ist. Der jeweilige Umsatzanteil in den Zehnerblöcken liegt generell über dem des IAR. Ausnahme sind die Plätze 11 bis 20: Diese zehn Inhaberagenturen erwirtschaften 18 Prozent des gesamten Inhaber-Umsatzes. Kaum mehr als die Agenturen auf den Plätzen 11 bis 20 des Internetagentur-Rankings, die 17 Prozent des IAR-Gesamtumsatzes einsammeln.

Das Inhaberranking listet weniger Spezialisten

Erstmals listen wir im Ranking der größten inhabergeführten Agenturen auch diejenigen Agenturen separat, die in einer einzelnen Disziplin mehr als 30 Prozent des Gesamtumsatzes machen. Die Subrankings listen jeweils diese Agenturen nach den im jeweiligen Segment entfallenden Umsatz-Anteilen, wobei eine Agentur in mehreren Subrankings gelistet werden kann.

40 Prozent aller Fullservice-Digitalagenturen machen mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Digitaler Transformation und Strategie. Bei den inhabergeführten Digitalagenturen sind es mit einem Anteil von 35 Prozent deutlich weniger. Auch beim Plattformgeschäft gibt es im IAR deutlich mehr Spezialagenturen als im Inhaberranking.

Der Anteil der ECommerce-Spezialagenturen liegt in beiden Rankings gleichermaßen bei rund einem Viertel. Einzig im Segment 'Digitale Werbung und Kommunikation' sind mehr Inhaberagenturen zu finden.

Hintergrund dieser Unterschiede ist wohl, dass große und komplexe Transformations-, Strategie- und Plattformprojekte eher von sehr großen Agenturen umgesetzt werden, weswegen in diesen Subrankings eher Großagenturen zu finden sind. Und diese sind wiederum eher im Internetagentur-Ranking als im Inhaberranking zu finden.

Werbe-, Kommunikations- und Kreativagenturen scheinen wiederum eher inhabergeführt zu sein. Denn die ganz großen Werbenetzwerke melden traditionell ohnehin nicht ihre Umsätze in unseren Digitalrankings.

Spezialagenturen Digitale Transformation und Strategie

Transformation und Strategie ist der Schwerpunkt der großen Inhaberagenturen. Appsfactory, Doccheck und Denkwerk. Wobei Appsfactory mit 29,5 Mio. Teilumsatz mehr umsetzt als die folgenden vier Agenturen in diesem Subranking. Laudert   und Raphael   folgen auf Platz vier und fünf.

Spezialagenturen Digitale Werbung und Kommunikation

Bis zum Platz 6 machen alle hier gelisteten Agenturen zweistellige Millionenumsätze. Vorne sind Pilot, FischerAppelt und Web-netz, gefolgt von Sunzinet   und la red   .

Spezialagenturen Plattformen

Appsfactory hat auch beim Plattformgeschäft die Nase vorn. Auf den folgenden Plätzen sind mit Interactive Tools   und SNK Schöne neue Kinder   zwei mittelgroße Agenturen.

Spezialagenturen E-Commerce

Mit Wiethe   und Dotsource   dominieren zwei absolute Spezialisten das Segment: Beide Inhaberagenturen machen in diesem Segment mehr als 30 Millionen Euro Umsatz. Die drittplatzierte Agentur neuhandel setzt gerade mal die Hälfte davon mit E-Commerce um.

Spezialagenturen Social Media: Nur drei Inhaberagenturen machen mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Social Media: Dreifive   , Zebra/Mindbox   und Davies Meyer   sind hier mit Umsätzen zwischen 3,8 und 2,5 Millionen Euro gelistet.

Im Umkehrschluss zur Auswertung der Subranking-Umsätze zeigt sich, dass die meisten deutschen Inhaberagenturen Allrounder sind, die für ihre (zumeist mittelständischen) Kundenunternehmen das gesamte digitale Portfolio anbieten. Und damit auch keine Umsatzschwerpunkte in einzelnen Segmenten haben. Das kann man auch positiv sehen: Agenturen, die mit dem eigenen Geld der GeschäftsführerInnen wirtschaften, vermeiden Klumpenrisiken.

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