Postliberalisierung: "Geschickte Mogelpackung"

25.03.2002 - Das Europäische Parlament hat im März 2002 die Entscheidung des EU-Rates für die Öffnung des Postmarktes gebilligt.

Demnach fällt die Gewichtsgrenze im Monopolbereich im Januar 2003 von 350 auf 100 Gramm, im Januar 2006 auf 50 Gramm. Der grenzüberschreitende Briefverkehr soll bis dahin in fast allen EU-Mitgliedstaaten freigegeben werden. Weitere Liberalisierungen sind für 2009 geplant. Laut dem Bundesverband Deutscher Postdienstleister (BvDP) würden zunächst "lediglich rund 20 Prozent des Briefverkehrs erfasst", dennoch: "Angesichts dessen, was möglich war, sind wir zufrieden", sagt BvDP-Sprecher Christof Riegert.

Die Entscheidung des EU-Parlaments "ist im Grunde Augenwischerei", so Dr. Ralf Wojtek, Vorsitzender des Bundesverbands Internationaler Express- und Kurierdienste (BIEK), "und soll darüber hinwegtäuschen, dass das Monopol in alter Größe und Stärke aufrecht erhalten wird". Grund: Der Marktschwerpunkt - Sendungen unter 20 Gramm - werde schlichtweg nicht berührt. Außerdem gebe es beim grenzüberschreitenden, scheinbar liberalisierten Briefverkehr einen Haken, so Wojtek: Sobald die Post im europäischen Inland ankommt, fällt sie wieder unter das Gebot der Regulierung. Bodo Mann, DDV-Vize Distribution sieht die EU-Entscheidung als einen viel zu späten Schritt in die richtige Richtung: "Wir waren vor zwei Jahren schon mal weiter." Für die Katalog-Branche wird die Entscheidung jedenfalls "krasse Auswirkungen" haben, so Mann, denn die Senkung der Gewichtsgrenzen bis oberhalb der 50-Gramm-Marke könnte so manchem DMler - eben per Katalogverteilung - über die "mageren Jahre" hinweghelfen.

Die Federation of European Direct Marketing (FEDMA) begrüßt die Entscheidung des EU-Parlaments vor dem Hintergrund der Universaldienste, die gewährleistet sein müssten, so Sprecherin Margrethe Saxegaard: "Vielleicht ist eine stufenweise Liberalisierung die beste Möglichkeit, die Marktöffnung voranzutreiben." Vielleicht. Doch jetzt ist es an der Bundesregierung, die neuen europäischen Regelungen zügig in deutsches Recht umzusetzen. ks

Ihr Guide im New Marketing Management - ab 6,23 im Monat!

Hat Ihnen diese Beitrag weiter geholfen? Dann holen Sie sich die ONEtoONE-Premium-Mitgliedschaft. Sie unterstützen damit die Arbeit der ONEtoONE-Redaktion. Sie erhalten Zugang zu allen Premium-Leistungen von ONEtoONE, zum Archiv und sechs mal im Jahr schicken wir Ihnen die aktuelle Ausgabe.

Diskussion:

Vorträge zum Thema:

  • Bild: Felix Hoffmann
    Felix Hoffmann
    (7learnings)

    Raus aus den Silos: Preis, Marketing und Bestand gemeinsam steuern

    Preis, Marketing und Bestand werden im Handel häufig getrennt gesteuert, obwohl sich Entscheidungen in diesen Bereichen unmittelbar gegenseitig beeinflussen. Wer Umsatz- und Gewinnziele erreichen will, muss diese Zusammenhänge stärker berücksichtigen.

    Wie sich diese Bereiche auf gemeinsame Umsatz- und Gewinnziele ausrichten und besser aufeinander abstimmen lassen, erläutert Felix Hoffmann anhand praxisnaher Beispiele.

    Vortrag im Rahmen der Transformation des Handels 26 am 20.10.26, 10:00 Uhr

Anzeige
www.hightext.de

HighText Verlag

Mischenrieder Weg 18
82234 Weßling

Tel.: +49 (0) 89-57 83 87-0
Fax: +49 (0) 89-57 83 87-99
E-Mail: info@onetoone.de
Web: www.hightext.de

Kooperationspartner des

Besuchen Sie auch:

www.press1.de

www.ibusiness.de

www.neuhandeln.de