Feste Währungen in der DM-Mediaplanung - ein frommer Wunsch?

20.11.1998 - "Media im Dialogbereich bedeutet für Planer eigentlich DRTV und sonst nichts"

In klassischen Mediaagenturen spielt das Dialogmarketing - wenn überhaupt - nur eine sehr untergeordnete Rolle. "Media im Dialogbereich bedeutet für Planer eigentlich DRTV und sonst nichts." Für Thomas Koch, Chef der Düsseldorfer Thomas Koch Media, erklärt sich das aus der immer noch bestehenden "Klassifizierung in klassisch und nichtklassisch". Diese Unterscheidung beginne bereits in vielen Unternehmen und setze sich bis zur Mediaplanung fort.

"Alte Denkstrukturen bei Entscheidungsträgern" konstatiert Michael Cichos, Geschäftsführer vom Hamburger Mediahaus Ströbel. Erfahrungen im Ausland wie etwa in England, wo Dialogmarketing in klassischen Medien bereits eine große Rolle spiele, zeigen laut Cichos die künftige Entwicklung. Ein Indikator hierfür seien Statistiken, nach denen rund 80 Prozent der Anzeigen mit Response-Elementen ausgestattet seien. Die Optimierungspotentiale würden von den Unternehmen zunehmend erkannt: "Wir werden unsere Job-Description neu definieren müssen."

Thomas Koch attestiert nicht nur Mediaplanern eine "Holschuld". Werbeagenturen versuchten jetzt, nichtklassische Kompetenzen zurückzugewinnen. Zuweilen werde das Problem auch nicht richtig verstanden. "Da machen manche Dialogmarketing, ohne es zu merken. Wir werden stärkere Synergieeffekte schaffen müssen."

Michael Bohn, Geschäftsführer der More Media in Düsseldorf, stellt bereits seit Jahren einen Trend zu integrativen Kommunikationskonzepten fest. "In den letzten fünf Jahren ist der Anteil der Kampagnen mit Dialogmaßnahmen um 50 bis 70 Prozent gestiegen." Bohn macht keinen Unterschied zwischen klassischen und nichtklassichen Werbemaßnahmen. Für diese "Gewichtung gibt es keinen Grund: Es gibt nur unterschiedliche Wege." Neben verschiedenen Dialogmaßnahmen im Print- und Funkbereich sieht Bohn vor allem DRTV-Spots künftig stärker im Einsatz. "Wir haben ein computergesteuertes Response-Analyse-Programm, das täglich Daten aus Werbeblöcken nach verschiedenen Parametern auswertet und die anhand der GfK-Analyse ermittelten, sogenannten 'Vorfelder' verifiziert". Damit sei eine effiziente Kampagnenplanung möglich. Allerdings bestätigt auch Bohn, daß der Vergleich von Dialog- mit klassischen Maßnahmen problematisch sei.

Der DDV will auf diesem Gebiet Abhilfe schaffen. "Der Werbeleiter hat bisher keine Entscheidungsmatrix. Sämtliche Abläufe sind auf das klassische Mediageschäft abgestimmt", so Michael Horlacher. Dem Dialogmarketing fehle die Währung, und dem Markenartikler müsse über Response-Kriterien hinaus eine Basis für die Werbewirkung geliefert werden. "Die Frage ist: Wieviel klassische Werbewirkung erzielt eigentlich der Dialog im kommunikativen Marketing?" Entsprechende Konzepte zur Lösung dieser Frage werden einige Marktforschungsinstitute dem DDV Ende Januar präsentieren. Horlacher hofft, zur DIMA 99 erste allgemeingültige Ergebnisse präsentieren zu können. "Es gibt bereits interessante Messungen von der Industrie, die aber aufgrund ihrer Branchenbestimmtheit nicht verwendbar sind." Wegen des hohen Finanzierungsaufwands der geplanten langfristigen Mediaforschung suche der DDV Kooperationspartner. Einige Mediaagenturen haben bereits ihr Interesse bekundet.

Das DDV-Anliegen, klassische Mediawährungen auf Dialogmarketing-Maßnahmen zu übertragen, ist laut Cichos berechtigt. "Aber ich halte es für einen frommen Wunsch. Image und Response sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe." Das sei, so Koch, als vergleiche man "Äpfel mit Birnen". Beim einen zähle man den quantitativen und qualitativen Response, beim anderen Kontaktwahrscheinlichkeiten. "Wir wissen nicht, wie man das miteinander verzahnt. Das müssen wir einfach ausprobieren." Das "Trial-and-error-Prinzip" schlägt auch Cichos vor. Bislang fehle es aber einfach an Mut. ala

Ihr Guide im New Marketing Management - ab 6,23 im Monat!

Hat Ihnen diese Beitrag weiter geholfen? Dann holen Sie sich die ONEtoONE-Premium-Mitgliedschaft. Sie unterstützen damit die Arbeit der ONEtoONE-Redaktion. Sie erhalten Zugang zu allen Premium-Leistungen von ONEtoONE, zum Archiv und sechs mal im Jahr schicken wir Ihnen die aktuelle Ausgabe.

Diskussion:

Vorträge zum Thema:

  • Bild: Olav A. Waschkies
    Olav A. Waschkies
    (Whitehall Reply)

    Zwischen Effizienz und Identitätsverlust: Wie KI und Plattformlogik Agenturen neu definieren

    Marketingagenturen sind mitten in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Laut Forrester werden sie bis Ende 2026 ihre klassische Rolle als Vertreter ihrer Kunden aufgeben und zunehmend zu Plattformanbietern eigener Produkte, Technologien und Lösungen werden.

    Kostendruck, Inhousing Trends, sinkende Margen und der Einzug von KI zwingen Agenturen, Effizienz über Kreativität zu stellen. Modelle wie "Principal Media", bei denen Agenturen Werbeinventar selbst handeln, zeigen: Wertschöpfung entsteht dort, wo Kapital, Technologie und Kontrolle über Reichweite zusammenfließen. Für den Markt bedeutet das Effizienzgewinne, aber gleichzeitg auch eine Erosion kulturelle und kreative Identität.

    Der Impuls beleuchtet zentralen Trends wie u.a. aus der Forrester-Studie "Predictions 2026: Marketing Agencies", ordnet sie kritisch ein und stellt die Frage: Wie viel Plattform darf eine Agentur sein, bevor sie ihre Marke verliert?

    Vortrag im Rahmen der Zukunftskonferenz 26. Trends in ECommerce, Marketing und digitalem Business am 03.12.25, 09:30 Uhr

Anzeige
www.hightext.de

HighText Verlag

Mischenrieder Weg 18
82234 Weßling

Tel.: +49 (0) 89-57 83 87-0
Fax: +49 (0) 89-57 83 87-99
E-Mail: info@onetoone.de
Web: www.hightext.de

Kooperationspartner des

Besuchen Sie auch:

www.press1.de

www.ibusiness.de

www.neuhandeln.de